Kostenlos in wunderschönen Häusern auf der ganzen Welt leben. Am Meer, eingebettet in atemberaubende Bergkulissen oder inmitten von tosenden Metropolen. Das ist Housesitting.

Hausbesitzer die auf Reisen gehen, ihr Grundstück bewohnt und ihre Tiere versorgt wissen möchten, bieten interessierten Reisenden kostenloses Wohnen und die volle Nutzung ihres Hauses und häufig auch ihres Autos an.

Diverse Online Plattformen bringen Hausbesitzer und Housesitter unkompliziert zusammen. Der beste Deal, den ich unterkunftstechnisch je geschlossen habe. Gerade Reisende, die ortsunabhängig ihr Geld verdienen, langsam reisen und unterwegs eine gewisse Routine brauchen, profitieren ungemein von Housesitting. Finanziell, wie auch persönlich. Im Prinzip fällt keinerlei besondere Arbeit an und es kann sich voll und ganz auf eigene Projekte konzentriert werden. Der normale Haushalt muss eben zuverlässig geführt und die eventuell vorhandenen Tiere liebevoll in den eigenen Alltag integriert werden. Für mich als Langzeitreisende die perfekte Möglichkeit kostenlos zu wohnen, kostenlos ein vollversichertes Auto zu nutzen und Ruhe in den häufig stressigen Reise- und Arbeitsalltag einkehren zu lassen. Vor allem freue ich mich unglaublich mit Tieren zusammen zu leben. Als große Tierfreundin sehe ich für mich persönlich den einzigen Nachteil des konstanten Reisens darin, zumindest vorerst, keine eigenen Tiere dabei haben zu können. Housesitting macht es möglich. Eine Verantwortung, die ich mehr als gerne übernehme und nicht als Einschränkung empfinde.

Aber auch Reisende die einen tierfreien Haushalt vorziehen, haben die Möglichkeit, sich auf Housesits ohne Tiere zu bewerben. Zugegeben, den meisten Hausbesitzern geht es vor allem darum, ihre Haustiere in guten Händen zu wissen. Hin und wieder aber werden Haushüter gesucht, damit das Haus nicht zu lange leert steht oder damit das Gartengrundstück gepflegt bleibt. Auch wer nur mit bestimmten Tierarten leben möchte, findet genügend Auswahlmöglichkeiten. Von der Topfpflanze über den Goldfisch über einen ganzen Bauernhof ist alles möglich.

Dennoch sollte die eigene Motivation und die Erwartungen vor jeder Bewerbung ehrlich hinterfragt werden. Housesitting ist kein Urlaub und fühlt sich auch nicht wie Urlaub an. Vor allem wenn Haustiere involviert sind, muss sich der Housesitter diesen anpassen und nicht umgekehrt. Je anspruchsvoller das Haustier und je mehr Tiere im Haushalt leben, desto weniger Freizeit für den Sitter.

Als wir unseren ersten Housesit auf Zypern angenommen haben, lebten wir mit 7 Hunden und 10 Katzen zusammen. Die ersten und die letzten 2 Stunden eines jeden Tages verbrachten wir mit Putzen. Auch sonntags 😉

Einmal hüteten wir 4 Katzen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren. Einige Katzen litten an Diabetes und mussten 2x täglich nach dem Essen Insulin gespritzt bekommen. Die Fresszeiten, sowie auch Mengen mussten genauestens eingehalten werden. Die mäkeligen Esser unter ihnen mit viel Zuspruch, Zeit und Leckerchen zum essen überredet werden. Auch das schränkt die eigene Urlaubs- und Tagesplanung ein.

Alles was im eigenen Haus getan werden muss, muss auch während eines Housesits gemacht werden. Putzen, waschen, kochen, mähen, gießen, Müll rausbringen, Post reinholen etc. Für den Jahresurlaub des gemeinen Angestellten also eher nicht geeignet. Wer hier mit den falschen Erwartungen einer Pauschalreise rangeht, wird bitter enttäuscht.

Aber auch Weltreisende die Housesits annehmen um ihr Sightseeing-Programm durchzuziehen, sind mehr oder weniger stark eingeschränkt. Kein Vergleich zum Aufenthalt im Hotel oder Hostel. Durch die Aufgaben die im Haus anfallen und die eigene Arbeit die auch noch erledigt werden muss, bleibt in der Regel wenig Zeit für große und vor allem regelmäßige Touren. Auch können Housesitter nicht einfach über Nacht wegbleiben und sind während des Sits auf einen Ort beschränkt. Das muss vorab bedacht werden, vor allem, wenn die Reisezeit knapp ist und viel besichtigt werden möchte.

Ob Einzelperson, Paar oder ganze Familie. Housesitting ist für jeden möglich, der die richtige Einstellung mitbringt. Die meisten Sits werden an Pärchen vergeben. Eigene Haustiere werden meist nicht so gern gesehen. Allenfalls kleine, freundliche Hunde sind häufiger willkommen. Doch gibt es für praktisch jede Konstellation den passenden Sit. Wichtig ist, dran zu bleiben, regelmäßig die neuen Anzeigen zu studieren und sich immer wieder auf passende Angebote zu bewerben.

Housesitting bedeutet die Verantwortung der Hausbesitzer zu übernehmen und im Gegenzug mit kostenlosen Wohnen entlohnt zu werden. Wer bereit ist sich darauf einzulassen und kein Problem damit hat, das Wohl der Tiere an oberste Stelle zu setzen, der wird im Housesitting eine Bereicherung finden. Und das nicht nur auf dem eigenen Bankkonto.

Es gibt verschiedene Websites auf denen sich Housesits finden lassen. Wir sind derzeit konstant auf 2 internationalen Seiten angemeldet.

Die beliebteste und größte Seite unter ihnen ist www.trustedhousesitters.com
Weltweit werden täglich hunderte neuen Housesits gelistet. Trustedhousesitters ist auch die Seite auf der wir die meisten Sits ergattert haben und die für uns persönlich am transparentesten, übersichtlichsten und einfachsten zu bedienen ist. Die Anmeldegebühr beträgt derzeit 99 USD für 12 Monate Mitgliedschaft. Der Betrag scheint erst einmal hoch, diesen Betrag sehen wir allerdings als Jahresmiete an. Mehr haben wir zum Beispiel im Jahre 2017 an Miete nicht gezahlt.

Die zweitgrößte Seite in der Welt des Housesitting ist www.housecarers.com
Etwas weniger gelistete Adds als Trustedhousesitters, dafür auch weniger Konkurrenz durch andere Housesitter. Mit Housecarers haben wir durchweg positive Erfahrungen gemacht, auch wenn das Layout der Seite leider ziemlich veraltet ist. Die Jahresgebühr beträgt derzeit 45 USD und über diesen Link bekommt ihr einen Rabatt und wir bekommen wieder 2 Monate geschenkt.

In Neuseeland nutzen wir hauptsächlich www.kiwihousesitters.com.nz
Es werden ausschließlich Sits in Neuseeland gelistet und das in einer Anzahl mit der die beiden oben genannten Seiten für den lokalen Bereich nicht mithalten können. Eine 12-Monats Mitgliedschaft kostet 65 NZD pro Jahr, welche sich für uns absolut gelohnt haben.

Die beste lokale Seite um Housesits in Australien zu finden ist www.aussiehousesitters.com.au
Allerdings ist die Anzahl der Adds für Australien bei unseren internationalen Stammseiten ebenfalls derart hoch, dass wir Aussiehousesitters wohl nicht mehr nutzen werden oder nurnoch bei wirklich langen Aufenthalten im Land.

Es gibt noch viele andere Seiten, die ebenfalls seriös arbeiten und gut funktionieren, jedoch haben uns unsere Stammseiten ein wenig mehr überzeugt. Mit ihnen sind wir derzeit voll ausgelastet.

Zu den anderen Seiten gehören zum Beispiel:
www.nomador.com
www.luxuryhousesitting.com
www.mindmyhouse.com

Jeder Housesitter hat seine Lieblingsseiten und sollte sich selbst davon überzeugen, welche am besten zu ihm passt. Nach der Anmeldung muss ein Bewerbungsprofil erstellt werden. Hierbei sollte man sich unbedingt Mühe geben, denn die Konkurrenz ist teilweise wirklich groß. Auf einen tollen Housesit in San Francisco Downtown zum Beispiel bewerben sich schnell mal an die 200 Leute. Der erste Eindruck zählt.

Dann geht es an die Suche nach dem passenden Housesit. Je schneller die Bewerbung abgeschickt wird, desto größer ist die Chance, dass sie gelesen wird. Von 20 Bewerbungen werden meist nur die gelesen, die als erste eingetroffen sind. Die meisten Seiten bieten einen Email-Alert an, sobald neue Sits hochkommen. Wer schnell ist, hat die größten Chancen auf eine Antwort. Die weitere Kommunikation ist ziemlich individuell. Einige Hausbesitzer möchten Skypen, andere bevorzugen ein persönliches Kennenlernen, bevor sie sich entscheiden. Manche buchen sofort, ohne weitere Fragen zu stellen. Wer noch keine Bewertungen durch Hausbesitzer erhalten hat, sollte im Profil und im persönlichen Anschreiben von seinen eigenen Erfahrungen berichten. Denn diese sind den Haus- und Tierbesitzern unglaublich wichtig. Wurde bereits ein eigener Haushalt geführt? Mit welchen Tieren wurden in der Vergangenheit Erfahrungen gesammelt? Gibt es andere Plattformen, auf denen vertrauenserweckende Bewertungen zu finden sind? Das könnte zum Beispiel über Airbnb sein oder dem online Auftritt des eigenen Unternehmens.

In der Anfangsphase kann es sein, dass es ein wenig länger dauert einen passenden Sit zu finden. Häuser die etwas außerhalb der beliebten Touristenzentren liegen, sind leichter zu bekommen, da sie deutlich weniger Bewerbungen erhalten. Am wichtigsten ist ein authentischer und ehrlicher Profiltext, wie auch freundliche und helle Fotos die den Housesitter, im besten Falle, mit glücklichen Haustieren zeigen.

Während der Bewerbungsphase könnte man schnell meinen, die Hausbesitzer säßen am längeren Hebel. Ein Housesitter könne froh sein überhaupt einen Housesit zu bekommen, denn wer möchte nicht kostenlos in einem tollen Haus leben? Das ist die absolut falsche Herangehensweise.

Housesitting ist ein absolutes Geben und Nehmen. Niemand sitzt hier am längeren Hebel, denn wenn ein Hausbesitzer nicht die passende Betreuung findet, muss er entweder auf seine Reise verzichten oder professionelles Personal anheuern. Das geht, je nach Dauer seiner Reise, oft in die Hunderte, wenn nicht Tausende. Davon abgesehen, dass die Tiere in einer professionellen Pension einem enormen Stress ausgesetzt werden und der Gärtner auch nicht umsonst den Rasen mäht. Nach vielen Gesprächen mit Hausbesitzern wurde mir immer wieder versichert, wieviel bares Geld durch gute Housesitter gespart wird. Es ist also genauso wichtig, sich selbst davon zu überzeugen, dass das Haus in einem akzeptablen Zustand übergeben wird, die Tiere gut erzogen sind und sich die Erwartungen beider Parteien gegenseitig decken. Niemand braucht Angst zu haben einen Hausbesitzer mit zu vielen Fragen zu vergrollen. Im Gegenteil. Fragen demonstrieren ernsthaftes Interesse und eine professionelle Auseinandersetzung mit der Materie. Auch wir haben einige uns zugesagte Sits bereits abgelehnt, weil die Kommunikation mit dem Gegenüber ganz und garnicht stimmte, unsere Fragen nicht beantwortet- oder wir in der Entscheidungsphase völlig übergangen wurden.

Housesitter sind keine Angestellten, sondern ermöglichen dem Hausbesitzer sorgenfreies Reisen und eine riesige Ersparnis im Vorfeld. Der Housesitter muss mit den Gegebenheiten vor Ort genauso zufrieden sein, wie der Hausbesitzer mit der Wahl der sitters. Fragen stellen zeugt von Selbstrespekt und Seriosität. Also keine Angst, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse anzusprechen.

Der Housesit des Grauens

Aber auch wenn im Vorfeld alles bestens geklungen hat, kann vor Ort die böse Überraschung warten. Von den vielen wunderbaren Häusern die wir betreut haben, war eines dabei, welches wir trotz toller Kommunikation im Vorfeld, als absolute Zumutung erlebten.

Als wir nach einer langen Anreise im Haus ankamen war es dreckig. Es war so dreckig, dass ich immernoch fassungslos bin, wie dreckig es war. Der Duschboden war schwarz vor toter Fliegen. Die Toilettenbrille war von einer braunen, schmierigen Kruste überzogen. Mein mir zugeteiltes Badetuch war voller dunkelgelber Flecken. Die Wände waren auf Augenhöhe übersät mit Spinnennetzen und den dicksten Spinnen die ich je gesehen habe. Spinnen überall. Auch die besonders giftigen. Im Pool schwammen tote Ratten und unzählige tote und halbtote Insekten. Den Fußboden konnte man vor Dreck nicht mehr sehen. Auf dem ausnahmslos dreckigen Geschirr in allen Schubladen krochen Maden. Der Kühlschrank war voll mit uralten, verschimmelten Lebensmitteln. Seine Glasscheiben mit brauner und roter Schmiere überzogen. Die gesamte Küche war nicht nur nicht benutzbar, sie war nicht betretbar. Kakerlaken krabbelten in jeder Ecke. Durch die Fenster konnte man nicht mehr durchschauen, sie waren dunkelbraun vor Staub. Alle Tiere kratzten sich wund. Im Bett der Hausbesitzerin lag ein dicker Hundehaufen und das Haus war übersät mit alten und frischen Pissflecken. Vom Geruch in diesen Räumen ganz zu schweigen.

Ich könnte noch mehr erzählen aber ich möchte nicht allzu tief in dieser Erinnerung schwelgen. Wir teilten der Dame umgehend mit, dass wir diesen Housesit nicht annehmen können und führten ihr die Gründe auf. Ich wollte nurnoch weg von diesem Ort. Die Atmosphäre dort war grauenvoll. Unterstrichen wurde diese noch von der Einsamkeit des weiten Landes. Das Haus stand inmitten von halbtoten, meterhohen Büschen, über die man von keiner Seite hinausblicken konnte. Es regnete tagelang. Wir machten sogar mehrere Beweisvideos und ganz viele Fotos, damit sie uns am Ende nicht der Lüge bezichtigen oder für die abgesagte Reise belangen konnte. Auch hatten wir vor, dem örtlichen Tierschutzverein Bescheid zu geben. Sie jedoch flehte uns auf Knien an zu bleiben und versicherte uns, umgehend nach ihrer Abreise eine Putzkolonne zu schicken. Sie habe wohl andere Vorstellungen von Sauberkeit und wolle ab jetzt alles besser machen. Wir möchten ihr bitte noch eine Chance geben. Sie entschuldigte sich vielmals, wir stimmten zu und sie reiste ab.

Ein fataler Fehler, der uns kein zweites mal passieren wird. Die Putzkolonne war eine Mitte 60-jährige Frau, die aufgrund der schweren Arbeiten nach 2 Tagen zusammenbrach und zur Physiotherapie musste. „That`s a job for 20“, waren ihre genauen Worte. Sie wart nie wiedergesehen. Wir hatten 3 Hunde, 2 Katzen und einige Fische zu betreuen und konnten mit all den Tieren nicht einfach irgendwo anders hin. Notfallkontakte gab es nicht, genauso wenig wie Nachbarn. Die Besitzerin meldete sich tagelang nicht mehr und wir wussten nicht, was wir tun sollten. Wir meldeten die Situation der Housesitterseite über die wir gebucht wurden, die sich aber erst nach 2 Wochen zurückmeldeten und fragten, ob nun alles geklärt sei, denn sie hätten keine Möglichkeiten einzugreifen. Dem Tierschutzverein war die Dame unbekannt. Sie wollten sich erst mit ihr in Verbindung setzen, wenn sie wieder da ist und würden uns die Tiere in dieser Zeit nicht abnehmen. Keine Kapazitäten, hieß es.

Mit allen 5 Tieren in eine andere Unterkunft zu ziehen war für uns nicht möglich, da die tierfreundlichen Unterkünfte wahnwitzige Summen verlangten oder 3 Hunde und 2 Katzen von vornherein ausschlossen. Selbst ins Hotel zu gehen und 1x am Tag zu den Tieren zu fahren wäre mit riesigen Umständen verbunden, da das Haus mitten im Nirgendwo lag und das nächste Hotel, One Way, über zwei Autostunden entfernt lag. Das wären 4 Stunden Fahrt pro Tag gewesen. Wir mussten also bleiben und uns so gut wie möglich einrichten. Wir suchten uns von dem 8-Zimmer-Haus, 2 Räume aus, die wir nutzen wollten. Eine weitere Putzkolonne schickte sie uns, laut eigenen Aussagen, aus Geldmangel nicht. Wir sollten ihr Haus selber putzen oder selbst jemanden bezahlen, der es für uns macht. Wie dumm und naiv wir doch waren, die schmuddelige Dame unverrichteter Dinge wegfliegen zu lassen und gutgläubig zu bleiben. Wir hielten irgendwie durch.

Als die Hausbesitzerin zurückkehrte, gab es das nächste Donnerwetter. Sie habe der Putzfrau über 1000$ für einen Hotelstandart bezahlt und das was sie vorfand, sei kein Hotelstandart. Die Schubladen (wir haben in diesem Haus grundsätzlich nicht gekocht) seien immernoch voller Maden und die Rasenkante draußen wären einige Zentimeter zu kurz gemäht. Sie würde uns der Polizei und der Housesitterseite melden und fordert von uns die 1000$ zurück. Außerdem werde sie behaupten, wir hätten ihre Hunde weggesperrt, wären nie spazieren gegangen und dass diese deswegen das Haus voll gepinkelt hätten. Sie würde dafür sorgen, dass wir nie wieder housesitten dürfen.

Wir waren beide vollkommen sprachlos.

Haben wir ihr so gut wie täglich aktuelle Fotos und Videos der Hunde von unseren vielen Spaziergängen geschickt. Denn das war es, was wir täglich machten. Wir packten die Hunde und verließen das Haus in Richtung Strand. Oft stundenlang, um so wenig Zeit wie möglich dort verbringen zu müssen. Sie wusste während des gesamten Zeitraums bescheid wie wir die Situation händeln. Wir konnten alles widerlegen was sie uns vorwarf und unsere Gegenargumente waren lückenlos beweisbar. Diese schlimmen Behauptungen gegen uns, aus Wut über die Rechnung der Putzfrau, waren an Böswilligkeit nicht mehr zu übertreffen. Keine Entschuldigung und keine Dankbarkeit, trotz der grauenvollen Zustände bei ihren Tieren geblieben zu sein. Sogar die Tierarztrechnungen wegen schlimmen Parasitenbefalls aller Tiere haben wir vollständig übernommen und keinen Cent zurückerhalten.

Schlussendlich meldeten wir sie ein zweites mal. Ob der Tierschutz nach ihrer Ankunft nun eingegriffen hat wissen wir nicht, denn unser Flieger in ein anderes Land ging noch am Tag ihrer Rückkehr. Uns wurde aber versichert sich darum zu kümmern. Meine Psyche hat während der Zeit in dem Haus jedoch deutlich gelitten. Ich habe mich 24 Stunden am Tag geekelt und wurde vorübergehend sogar richtig depressiv. Mein Hals begann unaufhörlich zu Jucken, was er vorher noch nie tat. Dieses Jucken hielt noch 2 weitere Monate an. 5 Ärzte konnten nichts finden. Psychosomatik aufgrund des Ekels vor der eingeatmeten Luft, hieß es. Ich hatte erwähnt, dass ich mich in diesem Haus sogar vor der Luft geekelt habe. Die Zeit im Haus von Spiderwoman hat all meine Reserven erschöpft und ich brauchte nach unserem Auszug einige Zeit um mich körperlich und psychisch zu erholen.

Doch diese 5 Wochen haben mich auch einiges gelehrt.

  1. Ein solch dreckiges Haus kann niemals innerhalb eines Monats geputzt, es kann ausschließlich grundrenoviert werden.
  2. Wenn ich von Anfang an das Gefühl habe ein Ort wird mich krankmachen, dann gehe ich konsequent. Natürlich mit Berücksichtigung auf die Tiere, die vorab woanders untergebracht werden müssen. Ich sorge dafür, dort so schnell wie möglich weg zu kommen und spiele nicht den Märtyrer.
  3. Vor jedem weiteren Housesit informiere ich mich intensiv über die Lebensbedingungen im Haus und möchte ausnahmslos aussagekräftige Fotos sehen. Auch plane ich genügend gemeinsame Zeit mit den Hausbesitzern vor ihrer Abreise ein, damit diese im Falle eines Falles noch Zeit haben, die Tiere woanders unterzubringen.
  4. Wenn eine Situation vorbei ist, ist sie vorbei. Es bringt absolut nichts gewisse Dinge immer und immer wieder durchzukauen und die Dialoge vor dem inneren Auge Revue passieren zu lassen. Denn dann leben wir in der Vergangenheit und legen einer besseren Zukunft durch unsere selbsterschaffene Wut dicke Steine in den Weg. Wann immer meine Gedanken abdriften, führe ich sie konsequent in die Gegenwart zurück. Erst dann beginne ich zu heilen. Beim Erlernen dieses Prozesses hilft mir eine regelmäßige Meditationspraxis am besten.
  5. Was zum Teufel hat uns geritten im Haus zu bleiben, die Frau wegfliegen zu lassen und uns im Anschluss auch noch 5 Wochen mit dieser Drecksbude abzufinden? Ich könnte mich heute noch in den Arsch beißen! Ommmm…

Natürlich ist eine solche Erfahrung alles andere als die Regel aber dennoch hat sie uns irgendwie traumatisiert. Vor dem darauffolgenden Housesit hatten wir richtig Angst, da wir uns für diesen mehrere Monate verpflichteten. Gott sei Dank waren die Zustände dort wieder normal. Solche Dinge passieren in allen möglichen Bereichen des Lebens. Überall kann man auf Leute treffen, die nicht alle Semmel im Ofen haben und auf Häuser, die den desolaten Geisteszustand ihres traurigen Besitzers widerspiegeln. Und sie werden passieren. Und wieder, und wieder. Das ist Teil des Lebens. Die Frage ist, wie wir damit umgehen und ob wir uns und den anderen genügenden Respekt entgegenbringen, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und zu tun, was wir für richtig halten.

Housesitting ist eine großartige Möglichkeit die Welt kennenzulernen. Es kann Menschen mit wenig Geld das Langzeitreisen ermöglichen. Es gibt mittlerweile eine ganze Bewegung von Reisenden, die sich explizit auf diese Art der Unterkunft spezialisiert haben und zu Vollzeit-Housesittern geworden sind. Die Motivation dahinter ist für jeden eine andere. Wichtig ist nur, sich mit dieser Art des Reisens wohl zu fühlen. Denn darum geht es doch am Ende. Wir müssen uns mit dem identifizieren können was wir tun. Überall auf der Welt. In jedem Haus. Auf jeder Reise.

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